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Praktisches Kunstprojekte

Post-its für einprägsames Storytelling: Einfach, unerwartet, konkret, glaubwürdig, narrativ

Ein schnelles 1 x 1 für das Vermitteln von Ideen.

Natürlich wäre es ungemein praktisch, hier eine universelle Anleitung für die perfekte Erzählung zu finden. Doch so sehr sich diese nicht liefern lässt, so einfach sind jene Storytelling-Qualitäten zusammengefasst, die fast jeder gut vermittelten Idee eigen sind.

Kennen Sie die Geschichte von jenem Mann, der in einer Bar von einem Unbekannten zu einem Drink eingeladen wird, ihm zuprostet, das Bewusstsein verliert und dann in einer mit Eis gefüllten Badewanne aufwacht? Auf einem Notizzettel findet er die Nummer 911, er ruft sie an, und die Stimme fragt: „Ragt da vielleicht ein Schlauch aus Ihrem Rücken?“ „Ja“, sagt er, nachdem er seinen Rücken abgetastet hat, und dann kommt in gelassenem Ton: „OK, bleiben Sie ruhig. Sie sind das nächste Opfer von Organräubern, die hier aktiv sind. Eine Ihrer Nieren wurde entfernt. Bewegen Sie sich nicht. Der Notarzt ist schon unterwegs.“

Diese Geschichte wurde und wird in unzähligen Versionen weltweit erzählt, weil sie alles hat, was im Gedächtnis hängen bleibt: Wir verstehen die Geschichte sofort, sie bleibt uns in Erinnerung, und wir können sie jederzeit weitererzählen, sie ausschmücken, interpretieren und personifizieren. Vielleicht verändert sie ja sogar unser Verhalten, wenn uns wildfremde Menschen in einer dunklen Bar demnächst einen Drink spendieren wollen. Sie ist grotesk und einprägsam. Sie hat ein unerwartetes Ende, sie enthält Details und weckt unsere Emotionen: Angst, Ekel, Abscheu und Misstrauen.

“Wir werden weitaus heftiger und intensiver durch die Phantasie bezaubert, als durch den Verstand.”

Hans Geißlinger, Stefan Raab in “Strategische Inszenierung”, Heidelberg 2007

Jede gut vermittelte Idee ist anders. Aber sechs Qualitäten sind ihnen allen gemeinsam:

  1. Die Idee muss einfach sein und gehaltvoll zugleich.
  2. Die Idee muss die Erwartungen der Menschen durchbrechen. Sie muss unerwartet sein und überraschen. Aber weil Überraschung abklingt, müssen wir auch Interesse und Neugier wecken.
  3. Die Idee muss eine klare Sprache sprechen und Zusammenhänge mit menschlichem Handeln und Sinneseindrücken bieten.
  4. Die Idee muss den Adressaten die Möglichkeit bieten, sie zu überprüfen.
  5. Die Idee muss so emotional sein, dass sie bei den Menschen Empfindungen auslöst.
  6. Die Idee muss zu einer Geschichten werden;  dann bringen wir Menschen dazu, aktiv zu werden.

Was einprägsam sein soll, muss also einfach, unerwartet, konkret, glaubwürdig, emotional und narrativ sein, damit es auch haften bleibt.


Foto: Patrick Perkins | Unsplash.

Von Harald Jeschke

Harald Jeschke ist Kommunikationsberater und Autor bzw. Ghostwriter zahlreicher Sachbücher und Biografien. Er war Leiter des Fachbereiches Text, Presse, PR eines internationalen Konzerns und Mitinhaber einer Werbeagentur. Heute sind seine Beratungsschwerpunkte der Aufbau, das Ausrichten und die Festigung der inneren Beziehungen von Organisationen und die Verständlichkeit von Botschaften und Zusammenhängen. Er hat Büros in Oberösterreich und Tirol und unterstützt Berater*innen, Dienstleister und Anbieter erklärungsbedürftiger Produkte und Services mit Text4Transition beim analogen und digitalen Aufbereiten und Vermitteln ihrer Expertise (www.harryjeschke.at).

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