Strategische Kulturarbeit als Chance für Organisationen und Unternehmen. – Das Meta-Thema von „Curating Corporate Culture“.

Stichwort „Corporate Culture“, Oktober 2020. Wieso ausgerechnet mitten in der Krise, in der schlimmsten in Westeuropa seit Ende des Zweiten Weltkriegs, einen Blog starten, der sich mit Fragen auseinandersetzen will, die schon vor dem „Wiederaufbau“ nach Covid-19 als Orchideen-Thema galten, als Luxus, den man sich als Organisation dann leistet, wenn alles perfekt läuft?

Wenn ich dieser Tage von meiner Idee erzähle, reagieren manche meiner Freunde und Bekannten mit einer gesunden Portion Skepsis: „Denkst du wirklich, dass im Augenblick des Rettens-was-zu-retten-ist, irgendein Verantwortlicher den Nerv hat, über Kulturarbeit im Unternehmen zu sinnieren? In zwei Jahren … vielleicht. Jetzt? Eher nicht.“

Denkst du wirklich, dass im Augenblick des Rettens-was-zu-retten-ist, irgendein Verantwortlicher den Nerv hat, über Kulturarbeit im Unternehmen zu sinnieren?

Die Skeptiker unter meinen Freunden.

Ja, mag sein, erst erschlägt die Pflicht, dann kuriert die Kür. – Dennoch hab’ ich für Pessimisten zwei Antworten parat.

Die erste liest sich banal: Mein Vorhaben ist älter als die Krise! Über Monate Literatur zusammengetragen, gesichtet, gelesen, eine Domain gewählt, WordPress aufgesetzt, zig Texte grob skizziert. Vorbereitungen abgeschlossen. Wieso als nicht einfach loslegen und die Leser*innen entscheiden lassen?

Das Thema berührt mich seit 30 Jahren. Solange bin ich berufstätig. Und egal, wo ich auf meinem Weg andocken durfte, in der Medienproduktion, in der Digitalwirtschaft, in der Erwachsenenbildung oder in der Sozialarbeit, im Profit- wie im Nonprofit-Segment: Kultur war und ist stets ein zentraler Erfolgsfaktor. Und ja, wird gerne unterschätzt. Wobei: Letzteres gilt nicht für meinen aktuellen Dienstgeber, Netural. Hier hält man seit jeher Kultur hoch. Und auch daraus lässt sich lernen und die eine oder andere Erkenntnis ableiten.

Krisen schleppen Chancen ein

Antwort Numero zwei kommt als stille Hoffnung daher. Eine Prognose, die sich wacker und lustvoll-eigensinnig gegen die Verzweiflung stemmt, die sich bei Wirtschaftstreibenden – und noch garantierter bei Kulturschaffenden – einstellen wird, sobald sich jene Nebel lichten, die zur Stunde ein „Auf-Sicht-Fahren“ gebieten. Denn Krisen schleppen Chancen ein. Nicht adhoc, aber doch. Und eine derartig tiefgreifende kollektive Erfahrung wie der Shutdown in diesem Frühjahr hinterlässt nicht nur Erfahrungen, sondern öffnet auch neuen Paradigmen die Tore.

Das Setzen auf schier grenzenloses Wachstum, die Heilige Kuh der freien Marktwirtschaft vergangener Jahrzehnte, zeigte schon vor Corona Abnützungserscheinungen. Der Ruf nach Regulativen mit Schutz-, Sinn- und Nachhaltigkeitsfokus wurde nicht erst mit der Klima-Diskussion lauter. Dazu stoßen Fragen der Verteilungsgerechtigkeit wie zu den Schattenseiten von Globalisierung und Digitalisierung. In Summe seht fest: Wir müssen uns von Gewohntem trennen, wenn wir uns entwickeln wollen. Und das rasch. Was wir gelernt haben, kennen, können und täglich leben, bietet zu wenige plausible Lösungsansätze für die sich abzeichnenden Herausforderungen.

Während die Welt im Ganzen um ihre Handlungsfähigkeit ringt, sind es Marken, Unternehmen, Organisationen und Medien, die agieren und prägen, nach innen wie nach außen. Und obwohl Wirtschaft per se keine Moral kennt, nur Rahmenbedingungen und Erfolg, erweisen sich Mindset, Kultur und gelebte Werte gerade hier als Treiber und Sicherheitsnetz im Wandel.

Die Mehrheit der Unternehmer*innen und Manager*innen wissen das längst. Oder erahnen es. Nur investierten sie bislang zu knapp. Nicht zwingend Budgets: Es fehlt an Zeit und Liebe. Der Fokus trennt die Spreu vom Weizen, „Best-in-class“ vom Durchschnitt. Und genau hier liegt angesichts der Post-Corona-Ausnahmesitutation eine Entwicklungschance – meine Antwort Numero zwei. Dieser Blog soll zu einem Informations- und Diskussionsschauplatz wachsen, der „Curating Corporate Culture“ zur Chefsache erklärt und Strategische Kulturarbeit als Instrument etabliert.

Ich freue mich, wenn es mir gelingt, dich als Leserin oder Leser gewinnen zu können. Und ja: Dein Feedback ist sehr willkommen.

Viel Vergnügen bei allem, was hier kommt.

Foto: Slon Pics

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