Ein konstruktives Miteinander versprach der Corporate Culture Jam in Maria Enzersdorf bei Wien. Und hielt sein Wort.

Das Gabrium in Maria Enzersdorf war zunächst Missionshaus der Gesellschaft des Göttlichen Wortes, bevor es, für den ursprünglichen Zweck zu groß geworden, in Teilen zu einem Seminarhotel umgestaltet wurde. Heute lädt das beeindruckende Backsteingebäude – immer noch hinter dicken Mauern – zum weltlichen Lernen und Austauschen in gebotener Ruhe.

Kein übler Ort also, um sich der Frage anzunähern, welche „Moments that matter“ die neue Welt des Arbeitens prägen – oder zukünftig prägen sollten. So schlug der „Corporate Culture Jam“, Fixgröße unter den heimischen HR-Fachkongressen, am 22. und 23. September 2021 im Gabrium seine Zelte auf – und mit ihm rund 100 Teilnehmer*innen aus Österreich und Deutschland.

Freundliches Ambiente für freundliche Menschen: das Gabrium in Maria Enzersdorf.
Freundliches Ambiente für freundliche Menschen: das Gabrium in Maria Enzersdorf.

Die Mittwoch-Morgen-Stimmung ist gelöst und freundlich. Als Jam-Newbie fühle ich mich willkommen und ganz ohne prüfende Initiation in die Reihen jener aufgenommen, für die der Jam längst zum jährlichen Klassentreffen geworden ist. Wer wie ich unzählige auf Attitüde bedachte Tech- und Digital-Summits besucht hat, dem fällt rasch auf, wie sehr man sich hier bemüht, aus einem Nebeneinander ein Miteinander zu machen. Was auch gelingt. – Und sich ein klein wenig anspürt wie ein überdimensionierter Sozialarbeiter*innen-Workshop.

Verletzlichkeit, Purpose und kein Sudern

Der Jam 2021 startet pünktlich und glücklich und in rosa Sneakers: Mit Maike van den Boom, Business-Glücksexpertin aus Stockholm. Sie liefert die Einsicht, dass Skandinavier*innen nicht nur um ihre Lebensqualität und ihren sozialen Frieden zu beneiden sind, sondern ebenso um ihr Mindset, das sie zu vertrauensvollen, gemeinsinnorientierten Individualisten macht. Wer wie die Wikingerenkel*innen davon ausgeht, dass jede*r in einer Gruppe einen wertvollen Beitrag liefern kann, ist auch bereit, jede*n zu hören, wenn es um Verbesserungen geht. Und das Zeigen von Verletzlichkeit (ja, doch, Wikingerenkel*innen!) fungiert als Schlüssel zu einem Beziehungsgeflecht auf Augenhöhe, in dem dies auch möglich wird.

Die Moderatorin des ersten Tags, Karin Krobath (Idenifire, rechts), mit Maike van den Boom (links).
Die Moderatorin des ersten Tags, Karin Krobath (Idenifire, rechts), mit Maike van den Boom (links).

Ebenfalls bemerkenswert: Die Keynote von Barbara Blaha, Ex-ÖH-Vorsitzende und seit 2019 „Eine von vielen“ beim Momentum Institut, einem von ihr gegründeten Think Tank zu wirtschaftspolitischen Fragen. Ihr gelingen am Tag 2 des Jams begeisternde Worte zu „Purpose“, ohne diesen längst maximalstrapazierten Begriff weiter zu bedrängen. (Danke!) Sie erzählt, wie es sich anfühlt, was sie tut und wie sie’s tut. Und warum. Und lässt keinen Zweifel daran: Wer sein „Why“ vor Augen hat und wie er/sie anderen oder dem großen Ganzen einen positiven Drall geben kann, bleibt motiviert.

Barbara Blaha (Momentum Institut) über "Werte brauchen ein Warum".
Barbara Blaha (Momentum Institut) über „Werte brauchen ein Warum“.

Highlight Nummer drei: Die lockeren Niceherren, Roland Fink und Christian Moser, der eine CEO, der andere Organisationsentwickler („mit einem Bein in der Kündigung“) des steirischen Ecommerce-Überfliegers Niceshops. Die Kultur des Unternehmens, das seit 2007 von null auf 500 Mitarbeiter_innen gewachsen ist und mittlerweile über 340 Online-Shops betreibt, wird laut Gründer Fink von einem Gedanken getragen: „Wer hier arbeitet, soll keinen Grund haben, feierabends Partner oder Partnerin anzusudern.“ – Viele glückliche Beziehungen in Paldau und Umgebung also, „Social Impact“ par excellence.

Und das Wetter spielte auch mit: Workshop im Hof.
Und das Wetter spielte auch mit: Workshop im Hof.

Ja, natürlich, der Corporate Culture Jam bot noch mehr. Impulse, weitere Keynotes, Diskussionsrunden, Workshops – und vor allem besondere „Moments“ mit einer großartige Begleitband aus dem Burgenland. – Und was bleibt davon? Nette neue Kontakte, ein paar feine Inspirationen – und der gute Vorsatz, auch nächstes Jahr am Klassentreffen teilzunehmen …

Ein Ereignis für sich: Manuel Komosny und Friedrich Schnalzer, die ,,EidaxlCombo".
Ein Ereignis für sich: Manuel Komosny und Friedrich Schnalzer, die ,,EidaxlCombo“.

Fotos: Ernst Demmel

Kommentare an: „Moments that matter“ hinter Klostermauern

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